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Frau Bertha Jakob: Verlegungen statt Sterbebett

Frau Jakob, 80-jährig, leidet an einem ungewöhnlich rasch fortgeschrittenen Karzinom der Gallenblase. Trotz wiederholter chirurgischer Eingriffe kommt es zu massiver Gallestauung mit Abszessbildung in der Leber, was sich vor allem in Schmerzen und einem entsetzlichen Juckreiz äussert. Des weitern sind tiefe Venenthrombosen mit nachfolgenden Lungenembolien und ein mühsamer Pilzbefall im Mund aufgetreten, und Frau leidet jetzt unter einer schweren reaktiven Depression. Sie willigt schliesslich – in der Ahnung, dass dies ihre letzte Station sein würde - in die Hospitalisation im Regionalspital ein, wo sie zuerst auf der chirurgischen Abteilung aufgenommen wird. Chirurgisch kann Frau Jakob indessen nicht mehr geholfen werden, sie wird deshalb auf die in Palliative Care spezialisierte medizinische Abteilung verlegt. Hier können ihre Schmerzen und der Juckreiz nach einer Woche endlich gebessert werden, sie kann wieder freier atmen und ist jetzt auch nicht mehr so depressiv; gleichzeitig wird aber klar, dass ihr Leben am Verlöschen ist.


Dementsprechend ist ihr letzter Wunsch, auf dieser Spitalabteilung sterben zu dürfen, wo sie jetzt die Pflegenden und die Ärzte kennt und sicher ist, dass man ihr helfen kann.


Nach dem geltenden DRG Tarif hat Frau Jakob die für ihre Diagnosen zubemessene Kostenerstattung jedoch schon überschritten, so auch die vorgesehene Liegedauer: sie ist damit als „Langlieger“ für das Spital eine Hypothek geworden. Unter dem wirtschaftlichen Druck durch die drohende Spitalschliessung muss das Spital Frau Jakob noch in eine Pflegeinstitution verlegen. Es findet sich ein Platz in einem Viererzimmer in einem Pflegeheim 30 km entfernt. Die Angehörigen können dieses „Abschieben“ schwer verstehen. „Wir haben gedacht, dass unsere Mutter im Spital ruhig sterben dürfte.“ Der Abschied von den vertrauten Ärzten und Pflegenden fällt schwer. Eine Pflegefachfrau, welche seit Einführung der DRG’s zwei Jahre zuvor schon zahlreiche solche Fälle erlebt hat, erwägt ihre Kündigung.


Im Pflegeheim wird Frau Jakob noch ein weiteres Mal verlegt, am zehnten Tag verstirbt sie.