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Herr Rafael Wenger: Verhängnisvolle Zusatzdiagnose

Herr Wenger, 35-jährig, wird wegen einer Autoimmunkrankheit mit gehäuften Infektionen, Gliederschmerzen und einem Gewichtsverlust von 12 kg innert 6 Monaten im Regionalspital hospitalisiert. Trotz fachärztlicher Untersuchungen kann die Diagnose noch nicht sicher gestellt werden. Unter symptomatischer Therapie geht es ihm jedoch rasch besser, so dass er bereits am fünften Tag wieder entlassen werden kann.


Der geltende DRG-Tarif erlaubt in diesem Falle, vor allem auch wegen der ungesicherten Diagnose, nur ein tiefes „Kostengewicht“ , also eine geringe Entschädigung. Besser sieht es für das Spital aus, wenn noch Zusatzdiagnosen dazukommen. Tatsächlich hat der Patient in seiner Vorgeschichte noch eine „schwere Depression“ erwähnt, die demnach in die Diagnosenliste aufgenommen wird. Diese zusätzliche Diagnose führt jetzt über die Codierung zu einer Erhöhung der „Fallschwere“.


Ein halbes Jahr später geht es Herrn Wenger wieder schlecht, sein Hausarzt weist ihn diesmal direkt ins Universitätsspital ein. Die behandelnden Ärzte beschaffen sich pflichtgemäss alle Unterlagen, der Oberarzt stösst auf die Diagnose „schwere Depression“, was ihn dazu veranlasst, die Krankheit von Herrn Wenger als „psychogen“ abzustempeln und ihm den umgehenden Austritt nahezulegen.


Herr Wenger hofft, über die Ombudsstelle des Universitätsspitals oder allenfalls eine Patientenstelle zu seinem Recht zu kommen.