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Frau Natalie Fuhrer: „Es ist sehr zu wünschen, dass es gelingt, eine breite Öffentlichkeit über dieses neue System zu informieren“

Frau Fuhrer, 91-jährig, leidet seit 4 Jahren an einem metastasierenden Darmkrebs. Aktuell erfolgt die Einweisung ins Regionalspital wegen rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Appetitverlust, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Juckreiz und grosser Müdigkeit. Es ist für alle klar, dass es ums Sterben geht.


Durch optimale palliative Betreuung und Behandlung stabilisiert sich jedoch der Zustand von Frau Fuhrer; die Ärzte sehen sich deshalb durch das DRG-Regulativ schon nach einer Woche gezwungen, die Verlegung in ein Pflegeheim in die Wege zu leiten, was mit den Angehörigen entsprechend besprochen wird. Nachdem wenige Tage darauf ein Platz gefunden werden konnte, wird der Übertritt festgelegt. Gleichentags kommt es zu einer markanten Verschlechterung im Zustand der Patientin, sie atmet schlecht und braucht mehr Schmerzmittel. Demensprechend wird auf die Verlegung verzichtet.


Sechs Tage später verstirbt Frau Fuhrer im Spital. Sechs Wochen später schreibt eine Tochter von Frau Fuhrer in einem Brief an die Ärzteschaft: „Nicht wenig erstaunt war ich, dass bis 5 Tage vor ihrem Tod noch von einer Verlegung ins Pflegeheim die Rede war. Bereits einfache Pflegehandlungen waren für die Kranke eine grosse Belastung, ein Transport wäre eine Tortur für sie gewesen. Ob unser Protest dazu beigetragen hat, dass schlussendlich davon abgesehen wurde, weiss ich nicht. Jedenfalls bedeutete uns das alles eine grosse zusätzliche Belastung.„ Aber offensichtlich spielt da ja nun das neue Tarifsystem mit. Es ist sehr zu wünschen, dass es gelingt, eine breite Öffentlichkeit über diese neue System zu informieren. Es darf nicht sein, dass Schweizer Spitäler in solche ethische Tiefen abdriften. Ich hoffe, dass solches Handeln noch korrigiert werden kann.