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Herr Peter Stadelmann: Ein Fall für den Gesundheitsdirektor

Bei Herrn Stadelmann, 67-jährig, wurde 14 Jahre vor dem aktuellen Spitaleintritt ein Kehlkopfkarzinom diagnostiziert. Mittels Bestrahlungen konnte der Tumor während 14 Jahren (!) in Schach gehalten werden. Jetzt wurden indessen die Operation mit Tracheostomie (Kehlkopföffnung) und eine Chemotherapie notwendig, zur Ernährung erhielt Herr Stadelmann eine perkutane Magensonde. Einmal musste er wegen Atemversagen intubiert und beatmet werden.
Bei der aktuellen Hospitalisation im Regionalspital ging es in erster Linie um die Schmerztherapie, häufiges Schleimabsaugen und die Behandlung der dauernden Angst vor dem Ersticken. Dank optimaler Betreuung inklusive Lymphdrainage zur Entstauung des Halses, Atem- und Ergotherapie und intensiver psychischer Behandlung kam es nicht mehr zu Erstickungsanfällen.


Gerade dies wurde dem Spital zum Verhängnis. Hätte Herr Stadelmann wieder beatmet werden müssen, wäre ihm nach dem DRG-Tarif eine hohe „Fallschwere“ und eine Aufenthaltsdauer im Akutspital bis zu zwei Monaten zugestanden, so aber musste sich das Spital bald einmal nach einem Pflegeplatz umsehen. Der Sozialdienst trat mit verschiedenen Pflegeinstitutionen in Kontakt, erhielt aber rundum Absagen, weil für Herrn Stadelmann angesichts der Schwere seines Zustandes zusätzliches Pflegepersonal eingestellt werden müsste. Nach drei Wochen wandte sich deshalb der zuständige Arzt in einem ausführlichen Schreiben direkt an den Gesundheitsdirektor des Kantons. Diesem gelang es tatsächlich, einen adäquaten Pflegeplatz zu vermitteln, welcher allerdings erst nach weiteren drei Wochen bezogen werden konnte.


Nach der DRG-Logik war Herr Stadelmann dennoch drei Wochen zu lang hospitalisiert, demzufolge das Spital mit einer substantiellen Reduktion der Rückerstattung „bestraft“ wurde.