DRG Monitor > DRG Moratorium bis 2011

DRG Moratorium

Die Initative für ein DRG Moratorium wird ab 1. Januar 2012 mit der Einführung vom SwissDRG obsolet. Die Initianten sind jedoch der Meinung, dass es sehr sinnvoll ist SwissDRG kritisch zu beobachten und Schwachstellen zu dokumentieren.

 

Nachfolgend der Aufruf für ein DRG Moratorium aus dem Jahre 2010/2011.

Aufruf für ein DRG Moratorium

Einführung der Fallkostenpauschalen 2012

Die Erfahrungen in Ländern und Kantonen, welche die diagnosebezogenen Fallkosten-pauschalen (Diagnosis Related Groups DRGs) bereits eingeführt haben, zeigen: mit den DRGs können die erhofften gesundheitspolitischen Ziele, nämlich Transparenz, Vergleichbarkeit und Kosteneinsparung nicht erreicht werden. 

Trotzdem will die Schweiz nun ein nationales DRG-System einführen, das an Radikalität alle andern Länder übertrifft: Das DRG-System soll ausnahmslos für alle Leistungen (inkl. Anteil der Investitionen) der stationären Akutversorgung gelten. Dies bedeutet eine wesentliche Verschärfung gegenüber den in einigen Kantonen an-gewandten DRG-Systemen.

Die auf kurzfristige ökonomische Kenndaten ausgerichtete "Logik" der DRGs führt am Ziel vorbei und wird sehr rasch zu irreversiblen Kollateralschäden in der Gesundheits-versorgung führen.

Es braucht ein DRG-Moratorium, bis folgende Fragen und Probleme geklärt sind:

  • Die Versorgungssicherheit aller Patientinnen und Patienten muss gewährleistet sein.
  • Der Datenschutz darf nicht angetastet werden.
  • Die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie des gesamten Gesundheitspersonals muss sichergestellt und finanziert sein.
  • Die Arbeitsbedingungen des gesamten Gesundheitspersonals und damit die Qualität der medizinischen und pflegerischen Leistungen dürfen nicht verschlechtert werden. Die verschiedenen Spitaltypen und die regionalen Lohn- und Kostenstrukturen müssen gebührend berücksichtigt werden. In der Pflege ist der Effizienzdruck besonders gross (in Deutschland fielen seit der DRG-Einführung 30'000 Vollzeitstellen zum Opfer).
  • Die Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerten Bereiche (z.B. Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegeinstitutionen, Spitex, Rehabilitation- insbesondere Neurorehabilitation) müssen bekannt sein. Es darf keine unkontrollierte Verschiebung der Gesundheitskosten in den ambulanten Bereich mit entsprechender Prämienerhöhung stattfinden.
  • Schwierig standardisierbare Bereiche wie die Pädiatrie, seltene Krankheiten und die Behandlung von polymorbiden Patientinnenmüssen vom DRG-System ausgenommen und sinnvoll geregelt werden.
  • Es muss klar sein, wie die immer wichtiger werdenden psychosozialen Aspekte angemessen berücksichtigt werden können.
  • Die Kosten, welche die gesamtschweizerische Einführung von DRG verursachen, wie Investitionen in den steigenden Verwaltungsapparatund wiederkehrende Betriebskosten für Kodierung, Kontrollen und Korrekturen müssen transparent geregelt sein und dürfen nicht zu Lasten der direkten Patientenversorgung gehen.
  • Die herrschenden vielen Unklarheiten und Unsicherheiten bezüglich Einbezug der Investitionskosten müssen beseitigt und frühzeitig und realistisch geklärt werden.
  • Für die definitive Preissetzung (Baserate) müssen die Kriterien klar und transparent festgelegt sein.
  • Alle Leistungserbringer - auch Versorger im ambulanten Bereich - müssen in die Umsetzungsarbeiten einbezogen werden.
  • Die Begleitforschung muss ein bis zwei Jahre vor Einführung der flächendeckenden Anwendung von DRG in der Schweiz einsetzen.

Deshalb rufen die Unterzeichnenden zum DRG-Moratorium 
(Einführung der Fallkosten 2012) auf!

Hier elektronisch unterschreiben!